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Gestern Abend habe ich endlich mal wieder was Positives erfahren. Ich kann mich endlich einem Schwerbehinderten gleichstellen lassen.

Aber von Anfang an. Ich stellte 2016 einen Antrag, um meinen Grad der Behinderung (GdB) feststellen zu lassen. In einem Bescheid vom 28.06.2016 erhielt ich leider nur eine Einstufung von 20. Damit kann man nicht wirklich was anfangen, wird man doch erst ab einem GdB von 30 einem Schwerbehinderten gleichgestellt. Aufgrund der ärztlichen Bescheide stellte man bei mir angeblich nur eine leichte psychische Störung fest.

Nun will ich nicht das Versorgungsamt in Frankfurt (Oder) schlecht reden, aber es ist schon auffällig, dass jeder erst mal nur einen GdB 20 bekommt. Sprichwörtlich kann man mit dem Kopf unterm Arm dort hingehen und bekommt trotzdem nur 20 zugesprochen.

Einstufung für den Grad der Behinderung - Ich kann mich endlich gleichstellen lassen
Einstufung für den Grad der Behinderung – Ich kann mich endlich gleichstellen lassen

Ein langer Weg beginnt

Nachdem der Bescheid damals eingetrudelt war, ging ich sofort zum Anwalt und legte Widerspruch ein. In meinem Fall, da ich Mitglied in der Gewerkschaft bin, war es die DGB – Rechtsschutz. Mein Anwalt machte mir zwar wenig Hoffnung, aber ich bestand darauf in das Widerspruchsverfahren zu gehen. 

Es kam, wie es kommen musste, der Widerspruch wurde abgelehnt und man war weiterhin der Meinung ich habe nur eine leichte psychische Störung. Andere würden, und davon kann ich klar abraten, die Segel streichen und sich mit dieser Entscheidung zufriedengeben. 
Ich lehnte die Ablehnung des Widerspruchs ab und wählte den nächsten Schritt, die Klage vor dem Sozialgericht.

Das Sozialgericht entschied, das ich einen unabhängigen Gutachter aufsuchen muss. Dieser Termin war dann für mich das Schlimmste im ganzen Verfahren. Ich musste nach Berlin zu einem Psychiater, der in einem Krankenhaus angestellt ist.
Es begann mit einem Eingangsgespräch, welches in meinen Augen positiv verlief. Jedenfalls öffnete ich mich ziemlich, was ja ein Zeichen von Vertrauen ist. Nach einer körperlichen Untersuchung, welchen Sinn ich zu Teilen nicht ganz verstehe, gab es ein weiteres Gespräch. Dieses Gespräch wird mich wohl noch eine ganze Weile verfolgen.

Zum Thema Suizidgedanken meinte er wortwörtlich, das dies nicht schlimm ist. Solche Gedanken sind positiv, da sie im Körper Druck ablassen. Von dieser Aussage sichtlich geschockt meinte er dann noch, dass ich keine Depression habe, sondern nur eine starke Schulter zum Anlehnen brauche.
Mir war nach dem Gespräch von vornerein klar, dass er einen höheren Grad der Behinderung ablehnt. Und so war es dann auch. 

Das Sozialgericht entschied sich gegen eine höhere Einstufung. Diese Entscheidung widersprach ich erneut und begründete dies ausführlich mit dem Inhalt des Gespräches. Wir hatten mittlerweile 2018 und das Verfahren lief immer noch.

Im Juli 2018 bekam ich dann einen Brief mit dem Verhandlungstermin beim Sozialgericht. Kurz danach bekam ich aber dann auch den Termin für den Zeitraum meiner Rehabilitationsmaßnahme, welche leider genau im Zeitraum vom besagten Gerichtstermin lag.
Die Konsequenz war, dass der Gerichtstermin abgesagt wurde. Ich vereinbarte mit meinem Anwalt das ich ihm den Reha – Entlassungsbericht zukommen lasse. Dieser besagte nämlich genau was anderes als das, was das Versorgungsamt festgelegt hatte.
Im Entlassungsbericht steht geschrieben, dass ich unter einer stärker behindernden psychischen Störung leide.

Tja, und gestern kam dann die erlösende Nachricht von meinem Anwalt. Das Versorgungsamt folgt dem Entlassungsbericht und schlägt einen GdB von 30, rückwirkend zum 01.10.2018, vor.
Wörtlich heißt es das man nunmehr von einer stärker behindernden psychischen Störung mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit ausgeht und man einen GdB von 30 vorschlägt.
Für mich habe ich das Minimalziel erreicht und ich werde diesen Vorschlag somit annehmen. Ich habe immer argumentiert das es mir nicht um 50 oder mehr geht. Ich wollte nur mindestens diese 30 haben. Das habe ich nun erreicht. Sollte es sich noch mehr verschlimmern, kann ich dann immer noch einen Verschlimmerungsantrag stellen.

Was bringt es mir wenn ich mich gleichstellen lasse

Was kann ich damit nun anfangen oder was habe ich davon? Zuallererst kann ich mich mit einem Schwerbehinderten gleichstellen lassen. Dazu muss ich zur Agentur für Arbeit und einen entsprechenden Antrag stellen.
Es gibt auch noch einen steuerlichen Vorteil, wo ich aber erst mal prüfen muss, ob er mir zusteht. In meinen Fall geht es um einen Pauschbetrag von 310 € im Jahr. Dies hat aber nichts mit der Gleichstellung zu tun.

Mit einer Gleichstellung hat man folgende Vorteile: 

  • besonderer Kündigungsschutz 
  • Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung 
  • Betreuung durch spezielle Fachdienste 

Aber auch der Arbeitgeber hat Vorteile, wenn er einen gleichgestellten Arbeitnehmer beschäftigt. Er kann zum Beispiel Lohnkostenzuschüsse beantragen.

Auch wenn alles gut 2 1/2 Jahre gedauert hat, um endlich das zu bekommen, was mir in meinen Augen zusteht, hat es sich gelohnt. Ich kann wirklich jeden dazu raten diesen Weg zu nehmen, wenn man sich vom Versorgungsamt unberechtigt behandelt fühlt.

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