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Vor ein paar Tagen wurde mir wieder bewusst, wie viel Unwissenheit in der Gesellschaft über die Krankheit Depression herrscht.

Ich kam mit einem Kollegen ins Gespräch über die Einstufung vom Grad der Behinderung (GdB). Er hat einen Wert von 50 und ich erzählte ihm, dass ich jetzt 30 habe. Was dann kam, überraschte mich. Er fragte allen Ernstes, ob ich denn nicht geheilt bin nach meiner langen Krankschreibung. Ich muss doch allen Kollegen sagen das ich immer noch Depressionen habe. Zum Abschluss dieses Gespräches stellte er dann eine Frage, die echt absurd ist. „Dürfen wir dann nicht mehr Arschloch zu dir sagen?”. Ok, man könnte jetzt meinen, dass er dies nur aus Spaß gesagt hatte, aber er meinte das absolut ernst.

Depression ist gesellschaftlich nicht anerkannt

Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mit verschiedenen Situationen lockerer umzugehen. Einfach mit einem Lächeln über viele Sachen hinwegsehen hilft dabei. Man kann auch niemanden einen Vorwurf machen, das er so unwissend ist. Es ist ein grundsätzliches, gesellschaftliches Problem.
Viele Formen von psychischen Erkrankungen werden in der Gesellschaft nicht als solche angesehen. Man soll sich nicht so haben, jeder hat einen schlechten Tag oder man ist einfach zu faul zum Arbeiten.

Solche Äußerungen zeigen, wie sehr das in den Köpfen der Menschen drinsteckt. Durch diese Unwissenheit kommt dann auch die Hilflosigkeit, im Umgang mit psychisch Erkrankten.

In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinnund den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank.

Sigmund Freud

Man sagt zwar, dass viele Depressionen heilbar sind, aber das hängt von vielen Faktoren ab. Zu nennen sei da zum Beispiel die Art, die schwere und der Beginn der Behandlung. Das Spektrum depressiver Erkrankungen ist breit. Gerade leichte, aber auch eine mittelschwere Depression werden oft nicht erkannt.
Oftmals vergehen Jahre bis man selbst erkennt das man ein ernsthaftes Problem hat und dieses unbedingt behandelt werden muss. Um so später man mit der Behandlung beginnt umso schwieriger wird es einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erringen.

Bei mir sind gut 20 Jahre vergangen, bis ich mich in Behandlung begeben habe. Und selbst da war mir noch nicht klar, dass ich unter Depression leide. Das kam erst im Laufe der folgenden Jahre. Ich schleppte mich dann gut 10 Jahre von einer Episode zur nächsten, die oft verbunden war mit einem Arbeitsausfall. Das ging dann bis zum Beginn meiner langen Krankschreibung, im Jahre 2017.

Antidepressiva wegen Depression

Die gängigste Therapieform ist die Verschreibung von Antidepressiva. Ich habe im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Präparaten genommen. Aktuell nehme ich drei Verschiedene. Eines was die Stimmung hebt, eines welches die Stimmung den Tag über beibehält und eines zum Schlafen. Ja, mit Antidepressiva ist es besser geworden aber es verlängert nur die Abstände zwischen den einzelnen Episoden. Meine Erfahrung, und ich betone, dass es nur meine Meinung ist und diese nicht den Arzt ersetzt, heilen Antidepressiva nicht. Sie mindern nur die Erkrankung.

Tabletten Depression
Bei einer Depression wird häufig zu Antidepressiva gegriffen


Eine deutliche Besserung hat aber erst eingesetzt, nachdem ich bei der Reha war. Das heißt aber nicht, dass ich geheilt bin. Ich kann mit bestimmten Situationen besser umgehen, ich verkrieche mich nicht mehr und meine Ehrenämter helfen mir auch aktiver zu sein.
Auch die Psychotherapie ist hoffentlich der richtige Schritt, um mit dem Leben lockerer umzugehen.

Und um auf die Frage meines Kollegen zurückzukommen. Ja klar kann man mich auch Arschloch nennen. Es ist nur abhängig von der Situation. Wenn es aus Jux ist, werde ich entsprechend locker reagieren.
Ist es jedoch wirklich ernst gemeint, wird es vielleicht in mir was auslösen, was damit endet, dass ich mich zurückziehe. Grundsätzlich sollte man aber jede Form von Beleidigungen unterlassen. Egal ob der gegenüber krank ist oder nicht.

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