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Am 21.02.2019 lud der Kreiselternrat Frankfurt (Oder) zur Podiumsdiskussion in die Erich-Kästner-Grundschule ein. Unter dem Titel “Lehrermangel und auch sonst keine Besserung in Sicht – Wohin steuert Brandenburgs Bildungspolitik?” fanden sich ca. 50 interessierte Eltern, Großeltern und Kommunalpolitiker ein. 

Hauptsächlich als Mitglied im Kreiselternrat aber auch als sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Bildung, Sport, Gleichstellung, Gesundheit und Soziales war auch ich bei dieser Diskussion.

Geladen waren, der brandenburgische Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport Dr. Thomas Drescher, die bildungspolitischen Sprecher in ihrer jeweiligen Landtagsfraktion Gordon Hoffmann von der CDU und Marie Luise von Hamel von Bündnis 90 / Die Grünen und der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) René Wilke (DIE LINKE.).
Ebenfalls geladen waren auch die bildungspolitischen Sprecher der Fraktionen SPD, DIE LINKE. und der AfD. Während die SPD und, was ich besonders bedauere auch Kathrin Dannenberg von DIE LINKE., rechtzeitig oder kurzfristig absagen mussten, kam von der AfD keine Reaktion die Einladung. Letzteres lässt natürlich sehr tief blicken auf das Interesse an der Bildungspolitik im Land Brandenburg. Man kennt nur ein angebliches Problem und hat kein Auge für die wirklichen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger.

Nackte Zahlen zur Misere

Brandenburg hat einen massiven Lehrermangel, der sich von Jahr zu Jahr verschärft. Jährlich gibt es rund 450 Studienabgänger, aber der Bedarf liegt bei 1000 in der Spitze (Stand: 2018) <1>.
Bis 2028 braucht das Land gut 12.000 neue Lehrerinnen und Lehrer.
Als Maßnahme, um diesen Bedarf gerecht zu werden sollen, beginnend zum Wintersemester 2019/2020, die Studienplätze von 650 auf 800 aufgestockt werden. Im Sommersemester sollen es dann nochmals 200 Studienplätze mehr sein. Problem ist, das ein Studium gut 10 Semester geht und man frühestens 2025 von dieser Maßnahme der Landesregierung profitieren wird.

Eine weitere Maßnahme ist die Ausbildung von Quereinsteigern. Laut Zahlen aus dem Jahre 2018 waren von 19.854 Lehrerinnen und Lehrern 2214 Quereinsteiger. <2>
Meiner Meinung nach sind Quereinsteiger zwar immer noch besser als Unterrichtsausfall. Das Problem was ich aber sehe, ist die sinkende Qualität des Unterrichts. Ich stelle damit nicht alle Quereinsteiger auf eine Stufe aber es gibt leider Fälle, wo man deutlich merkt, dass der Beruf des Lehrers der falsche für diese Person ist.

Zu der ganzen Lehrermangelproblematik kommt dann noch der schlechte Zustand diverser Schulen dazu. Dies trifft vor allem finanzschwache Kommunen, wie Frankfurt (Oder). Hintergrund ist, dass sich um die Lehrer das Land Brandenburg kümmert und die Schulen in die Zuständigkeit der Kommunen fällt.
Oberbürgermeister René Wilke machte in seinen Ausführungen mehr als deutlich klar das Frankfurt (Oder) in den kommenden Jahren eine Mammutaufgabe vor sich hat, um alle Schulen auf einen vernünftigen Stand zu bringen.

Die Stadt hat derzeit einen Schuldenstand von 120 Millionen Euro. Dazu kommt ein Reparaturrückstau in der gesamten Stadt (Straßen, Kitas, Schule usw.) in Summe von rund 100 Millionen Euro. In den kommenden vier Jahren plant die Stadt 40 Millionen Euro in die Instandsetzung von Schulen zu stecken. Damit ist aber immer noch nicht der tatsächliche Bedarf gedeckt. Um wirklich alle Schulen auf einen vernünftigen Stand zu bringen, sind weitere 23 Millionen Euro von Nöten. Dieses Geld hat die Stadt nicht.

Podiumsdiskussion
Dr.Drescher, Frau von Halem, Herr Hoffmann und Herr Wilke (Von Links nach Rechts) standen bei der Podiumsdiskussion Rede und Antwort

So viel erst mal zu den nackten Zahlen und zurück zur Podiumsdiskussion. Mit Hintergrund auf die erschreckenden Zahlen gab es meiner Meinung nach nicht wirklich ein Patentrezept wie wir der Lage Herr werden. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, das der Bildungsföderalismus in Deutschland abgeschafft werden muss. Sprich, die Bildungsverantwortung soll von den einzelnen Bundesländern auf den Staat übergehen.
Ob aber eine Staatsbehörde, und da bin ich ausnahmsweise der gleichen Meinung wie Herr Hoffmann von der CDU, wirklich hilfreich ist mag ich stark bezweifeln. Ich erinnere nur daran das allein Brandenburg rund 20.000 Lehrerinnen und Lehrer hat.
Nehmen wir die anderen Bundesländer zusammen, kommen wir locker auf 300.000 oder mehr die durch diese Behörde beschäftigt werden.

Einige Eltern kritisierten auch das System mit den Quereinsteigern, was sich mit meiner Meinung und Erfahrung deckt. Auf sehr großes Unverständnis stieß auch die Tatsache, das ein Lehramtsstudium im Land Brandenburg nur in Potsdam möglich ist.
Würde man auch in anderen brandenburgischen Städten Studienplätze anbieten, könnte man die Gesamtkapazitäten im Land stark erhöhen. So hat die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) auch ein Sprachenzentrum, welches vielleicht die Fremdsprachenfächer abdecken könnte. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg könnte den naturwissenschaftlichen Bereich abdienen.

Die Kinderbeauftragte der Stadt Frau Eckardt brachte es dann auf den Punkt. Man muss endlich parteiübergreifend auf einen Nenner kommen und verdammt nochmal an die Kinder denken.

Podiumsdiskussion wurde zum Wahlkampf

An dem Abend wurde für mich sehr deutlich das wir mitten im Wahlkampf stecken. So musste Herr Hoffmann mehrmals betonen, dass die rot-rote Regierungskoalition in Brandenburg es nicht gebacken bekommt die Probleme zu lösen. Ziemlich spät fiel ihm dann ein das es vor zehn Jahren auch eine schwarz-rote Regierungskoalition, bestehend aus CDU und SPD, gab.
Da die Probleme nicht erst seit zehn Jahren bekannt sind, hat somit auch die CDU große Fehler während ihrer Regierungsverantwortung gemacht. Sicherlich entschuldigte er sich dafür aber das kam für mich nicht sehr glaubhaft rüber.
Nicht vermisst habe ich die AfD. Die Diskussion wäre dann zwar vielleicht recht amüsant geworden, aber wirklich zielführend wäre das wiederum auch nicht gewesen.
Das wir auch mitten im Kommunalwahlkampf stecken merkte man auch an der Anwesenheit von Kommunalpolitikern der FDP. Mir kam es aber nur so vor, als wären sie gekommen, um gelegentlich frenetisch zu applaudieren. Als sie das dann erledigt hatten, gingen sie dann auch nach einer Stunde ziemlich gelangweilt.

Nach gut zwei Stunden ging die Veranstaltung für mich ziemlich unbefriedigend zu Ende. Von drei Themenblöcken konnte nur einer behandelt werden. Das machte das Ganze ziemlich unvollständig. Geplant ist dieses Format erst in zwei Jahren erneut zu veranstalten, was für mich eindeutig zu spät ist. Es muss unbedingt ein kürzerer Rhythmus gefunden werden.

Nur so kann wirklich auf die Sorgen der Familien explizit eingegangen werden. So gingen sie gestern ziemlich ratlos aus dem Saal und waren sich sicher das eine Lösung nicht wirklich in Sicht ist.

<1> https://www.morgenpost.de/brandenburg/article216419107/16-5-Millionen-Euro-fuer-neue-Lehrer-in-Brandenburg.html
<2> http://www.maz-online.de/Brandenburg/Jeder-zweite-Seiteneinsteiger-in-Brandenburg-hat-kein-abgeschlossenes-Studium

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